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Bild: Franz Ulrich
Ahrweiler Stadtführer
Historischer Stadtrundgang -Außenroute-

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Die strategische Bahnlinie
mit Die Stadt im Berg heute
Tunnel-Gedenkstätte

Die Erinnerungsstätte

Die Tunnel-Gedenkstätte wird
durch Spenden finanziert.
Spendenkonten des Heimatvereins:
Kreissparkasse Ahrweiler
Konto Nr. 809780
BLZ:57751310
Volksbank RheinAhrEifel eG
Konto Nr. 5005601
BLZ: 57761591

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Behausungen der Bewohner
In den "Büdchen", die hintereinander rechts und links in den Tunnel hinein gebaut wurden,
lebten zeitweilig ca. 2500 Menschen.
Im Hintergrund: 1947 wurde der Tunnel gesprengt.

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Die drei geschichtlichen Phasen


1910 Phase 1: Eine neue Bahnlinie wird gebaut

Der Silberbergtunnel ist Teil einer Bahnlinie, die den poetischen Namen „Die Unvollendete“ trägt  und  im Volksmund  bis heute „die strategische  Bahn“ genannt wird. Geplant war eine Schienenverbindung von Liblar bei Köln in Richtung Westen, die hinter  Rech in die Ahrtalbahn einmünden  sollte. Von den Berghöhen  der  Grafschaft bis hinunter ins Ahrtal mussten dabei auf einer Strecke von acht Kilometern rund 100 Höhenmeter überwunden werden. Hierzu wurden insgesamt fünf  Tunnel durch die  Berge des Ahrtals getrieben, wovon der hiesige Silberbergtunnel auf dem Weg Richtung Rech der Erste ist.

Von Ringen kommend sollte die Bahn über ein Viadukt das Adenbachtal  überqueren. Die fünf Pfeiler des Viaduktes stehen noch heute. Als zweigleisige Linie geplant durfte nach dem Versailler Vertrag nur noch eingleisig weitergebaut werden, was man an der Stufe in den Pfeilern gut erkennen kann. Die  Bauarbeiten  begannen im Jahre 1910. Auch während des ersten Weltkrieges  wurde  weiter  gebaut  - teilweise  mit  Hilfe russischer  Kriegsgefangener – und  danach  unter  den amerikanischen Besatzern. Die sahen die geplante Bahnlinie als wirtschaftlich sinnvoll an.

Nach  der  Besetzung  des  Ruhrgebietes  wurden  1923  die Amerikaner von den Franzosen abgelöst und die verhängten einen  sofortigen  Baustopp.  Sie  sahen  in  der   geplanten Eisenbahnlinie  weniger  ein  ökonomisches als  ein strategisches Projekt.  Sie hatten nicht vergessen,  dass ein großer Teil der Angriffstruppen im Jahre 1914 samt Material und auch der  Nachschub  für  die Front über die Ahrtalbahn in Richtung Frankreich transportiert worden waren.

Als der  Baustopp kam war die Linie in der Ahrtalregion schon fast fertig gestellt. Zwischen  Rech und Ahrweiler lagen bereits die Schienen und der Schotter. Nur ein Teilstück fehlte noch: das Viadukt über das Adenbachtal. Die Pfeiler standen,  das Holzgerüst war bereit  zum Ausgießen mit Beton und die Lastenaufzüge waren installiert. Dann brachte der Baustopp  das Ende.

Bilder gibt es HIER zu sehen


1935 Phase 2: Eine neue Nutzung des Silberbergtunnels


Nachdem der Tunnel einige Zeit leer und ungenutzt gestanden hatte, wurde eine Champignonzucht eingerichtet. Damit ließen sich zum einen wertvolle Devisen sparen, die bisher für den Edelpilz–Import  aus  Frankreich ausgegeben wurden. Zum andern konnte man  hier Langzeitarbeitslosen einen festen Job bieten. Unter Leitung des Ahrweiler Bürgermeisters Eiden und mit  Unterstützung der NSDAP und der Verwaltungen wurde die „Ahr-Edel-Pilzzucht-GmbH“ gegründet. Die Ahrweiler  Champignons wurden in alle Teile des Reiches geliefert. Im Innern des Tunnels beim Schein von Karbidlampen  waren Männer mit dem Anlegen und Pflegen der Mistbeete sowie der Ernte der reifen Pilze beschäftigt. Frauen waren beim Sortieren, Abpacken und Konservieren im Einsatz.
 

Die Gegebenheiten im Eisenbahntunnel waren für die Edelpilzzucht  ideal.  Die  gleichbleibende  Temperatur  von  13  Grad in feuchter Dunkelheit war  die  erste  Voraussetzung  für  den  Erfolg.   Dann brauchte  man  noch den  geeigneten  Pferdemist  und  natürlich die „Brut“.  Die  musste man allerdings,  zum Leidwesen der Betreiber, noch  immer  aus   dem  Ausland, vorwiegend aus  Frankreich  und  Ungarn, importieren.

Was am Tag der Ernte nicht abgesetzt werden konnte, wurde in einer eigenen Anlage vor Ort in Büchsen konserviert. Die Beete im Tunnel lieferten zwei Ernten pro Jahr. Die erste Ernte im Jahre 1935 erbrachte 4 kg pro m².


 

1944 - 1945 Phase 3: Der Silberbergtunnel bietet Schutz

Dieses Freilichtmuseum ist auch eine Gedenkstätte  die an die letzten Kriegsjahre 1944/45 erinnern soll, als rund  2500 Menschen in diesem Tunnel Schutz suchten vor Bomben und Tieffliegerangriffen. Familien taten sich zusammen, Freunde und Nachbarn  zimmerten mit gegenseitiger Hilfe  Behausungen, auch „Büdchen“ genannt, in denen oft bis zu 20 Personen unter primitiven Lebensbedingungen wohnten. 

Damit die täglich anfallenden Postsendungen, meist sehnlich erwartete Feldpostbriefe, ihre Adressaten finden konnten, wurden diese  „Büdchen“  mit Nummern versehen und die Bewohner in einer Liste aufgeschrieben.

Denn  auch der Tunnelarzt musste ja wissen, wo er seine Patienten finden konnte. In diesem Tunnel wurden  nicht nur Kranke behandelt und gepflegt, es wurden auch Kinder geboren und es wurde gestorben.

Es entstand eine regelrechte "Stadt im Berg".

Abends nach Einbruch der Dunkelheit  gingen die Menschen in Scharen hinunter in die Stadt, in ihre Wohnungen und Häuser, falls diese  nicht einem Angriff zum Opfer gefallen waren, um ihr Vieh zu füttern und Proviant zu besorgen. Vor Anbruch des Tages kehrten sie dann, bepackt mit Säcken und Körben,  in den sicheren Berg zurück.

Die "Stadt im Berg" gibt es HIER zu sehen

Ein zweiter Tunnel im Anschluss an die "Stadt im Berg"  wurde  während des  Krieges  zur Herstellung von Teilen der  V2-Rakete genutzt. Von hier aus erfolgte  eine notdürftige Versorgung mit  elektrischem  Licht für die Schutzsuchenden.
Diese kriegswichtige Anlage und das Ahrtal als Hauptnachschubstrecke für die Westfront gaben Anlass zu täglichen Bombenangriffen und Tieffliegerbeschuss. Da es sich hier aber um gezielte Angriffe handelte,  fanden diese nur bei Tage statt und bei einigermaßen gutem Wetter.
Am 29. Januar 1944 war der Himmel mit einer dichten Wolkendecke  verhangen. Die Sichtverhältnisse waren mäßig. Tieffliegerangriffe waren wohl an diesem Tag nicht zu befürchten. Darum blieben auch viele Tunnelbewohner in ihren Häusern. Dieser fatale Irrtum kostete  zahlreichen Menschen das Leben.

Die Bomben-Gedenkstätte gibt es HIER zu sehen.


 

3. Juli 2004
Phase 4: Der Silberbergtunnel als Tunnel-Gedenkstätte

Die Tunnel-Gedenkstätte soll nicht nur eine Erinnerung sein, sondern auch ein Mahnmal, dass sich ein solcher Wahnsinn nicht mehr wiederhole.

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Stand: 18.12.13

 

Design: Reiner Bauer