Historische Vortragsreihe des Heimatvereins „Alt-Ahrweiler"

LogoHans-Georg Klein referierte über die Hexenverfolgung in Ahrweiler

Neue Quellenfunde lassen die Zeit der Hexenverfolgung in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts in einem neuen Licht erscheinen. Der Referent Hans-Georg Klein, neu gewählter Vorsitzender des Heimatvereines ,,Alt Ahrweiler", wies in seinem Vortrag nach, dass die Hexenverfolgung in Ahrweiler in erster Linie von der Bevölkerung selbst ausgelöst und betrieben wurde. VEs kam wegen der scheinbaren Säumigkeit des Rates und des Schöffengerichtes unter den Bürgern zu tumultartigen Aufläufen mit einem steuerstreik. Ein Hexenausschuss setzte schließlich die Verfolgung der Hexen durch, um größeren Schaden, wie er argumentierte, von der Stadt und ihren Menschen abzuwenden. Dieser Hexenausschuss ist die bislang erste nachweisbare Bürgerinitiative in Ahrweiler. Es ist davon auszugehen, dass es Ende des 16., Anfang des 17. Jahrhunderts keine Menschen gab, die nicht an Hexen glaubten. Selbst die Gegner der Hexenverfolgung stritten die Existenz der Hexen nicht ab. Der einzige Unterschied war aber entscheidend. Die Gegner der Hexenprozesse weigerten sich, die sogenannten "Besagungen", also die meist erzwungenen Aussagen über Hexenflug, Hexensabbat usw. als gerichtsrelevant an zuerkennen. Diese Erlebnisse würden den Hexen vom Teufel nur vorgegaukelt und seien somit kein Beweismittel. Der Referent zeigte mit akribischer Recherche an Hand der Ratsprotokolle und eines Prozesses vor dem Bonner Hofrat, wie dieses .Große Brennen" aus Hysterie, Angst und Missgunst geschehen konnte, das über 70 Menschen in Ahrweiler das Leben kostete. Das war aber den im Hexenausschuss agierenden Bürgern immer noch nicht genug. Selbst als der Hofrat die Hexenprozesse in Ahrweiler einstellen ließ, protestierten namentlich bekannte Bürger heftig. Bei diesem "Großen Brennen" zwischen 1628 und 1632 wurden in Ahrweiler entgegen dem landläufigen Vorurteil fast genauso viele Männer wie Frauen hingerichtet (48% Männer und 52% Frauen). Unter "Schadenszauber" wurden Viehtod, Naturkatastrophen, Todesfälle und anderes subsummiert und die angeblich Schuldigen angeklagt, die auch die Prozesskosten zu tragen hatten und an denen sich manch ein Beteiligter ein gutes Salär verdiente.
Die immer wieder genannte Margarete Hansmann, Frau des oftmaligen Bürgermeisters und Prümer Hofschultheißen Nikolaus Stapelberg, starb schon ausweislich der Ratsprotokolle im Jahre 1623 und konnte so nicht 1628 als Hexe verbrannt worden sein.
Dieses Vorurteil scheint in der Ahrweiler Geschichtsschreibung nicht auszurotten zu sein. Im Übrigen zeigen neue Quellenfunde, wie der Referent nachwies, dass Margarete Hansmann bis 1595 mit Hubert Walmrodt, Ahrweiler Schöffe und Neuenahrer Rentmeister, verheiratet gewesen war. Mit dem Einmarsch der Schweden 1633 endete die Hexenverfolgung fast zur Gänze. Aus dem Auditorium kamen Fragen zur Rolle der Geistlichkeit, der Belagerung der Saffenburg und zur Aufführung eines Theaterstückes zur Hexenverfolgung in Ahrweiler in den siebziger Jahren.